Sa

23

Jun

2012

Wenn die Holz-Medialen den Digitalen drohen

Von Maulkörben und Drohungen

 

 

Vor einigen Tagen ist mir auffallend deutlich geworden, wie stark sich die Protagonisten klassischer Hinterzimmerpolitik und die Vertreter der schreibenden Zunft in der Abteilung Zentralorgane obrigkeitsstaatlichen Denkens von Social Media bedroht fühlen.

 

Da rief mich nämlich ein im schwarzen württembergischen Filz bestens verwebter Redakteur des lokalen Holz-Mediums an, um mir fernmündlich in brüllender Tonlage mitzuteilen, ich hätte das Schreiben von kritischen Kurzbeiträgen auf Twitter künftig zu unterlassen und auch meinen Blog einzustellen.

 

Die vorgetragene Argumentation war putzig. Durch meine Blog-Beiträge und Tweets würde eine den örtlichen Honoratioren nicht genehme Meinung veröffentlicht. Da bisher das örtliche Holz-Medium die öffentliche Meinung bestimmt hat, konnte ich die Verlustängste des Holz-Medialen durchaus nachvollziehen. Es zeigt sich der für demokratische Willensbildung und Meinungs- sowie Informationsfreiheit förderliche Trend, dass Social Media die dominierende Meinungsbildung, die bisher durch Lokalzeitungen – häufig genug in verantwortungsloser Tendenzberichterstattung – wahrgenommen wurde, zumindest relativiert.

 

Diesen Trend begrüße ich, mein Holz-Medialer fürchtet ihn. Und diese Furcht verleitete ihn nun zu einem fast schon als Verzweiflungstat einzustufenden Verhalten. Er drohte mir nämlich, ganz unverhohlen und ganz direkt. Wenn ich Bloggerei und Twitterei zu kommunalen Themen und zu Artikeln, die im lokalen Holz-Medium erschienen sind, nicht einstellen würde, dann würde das örtliche Holzmedium im Landkreis Ludwigsburg mich „fertig machen“.

 

Nun empfinde ich mich ja als halbwegs fertiger Mensch, der aber aufhorchte, als mein Holz-Medialer fortfuhr: „Wir machen dann eine Kampagne in der Zeitung, nach der Sie sich einpacken können“.

 

Zugegeben: Ich habe im Pattonviller Finanzskandal kräftig Kritik geübt, ich habe Zensur im örtlichen kommunal finanzierten Mitteilungsblatt als das bezeichnet, was sie ist: Ein Skandal. Und die Social-Media-Beiträge hatten Erfolge. Viele Mitbürger mailten mir ihre Zustimmung, manche kommentierten kritisch im Forum, andere retweeteten, wieder andere führten die Diskussion auf ganz unterschiedlichen Plattformen weiter. In der Folge konnten die grottenfalschen Jahresrechnungen des kommunalen Haushaltes nicht einfach durchgewunken werden, in der Folge mussten einige Zensurmaßnahmen im kommunalen Mitteilungsblatt zurückgenommen werden. Das dient der Demokratie, das dient der Transparenz.

 

Bisher hatten unsere Holz-Medialen Lokalen die Lufthoheit über sämtlichen Stammtischen im Kreis. Sie konnten gemeinsam mit ihren Oberbürgermeistern, über die sie hofberichterstatterisch berichteten und die ihnen wiederum in Sachen lokaler Adressbücher sehr entgegen kamen, so eine Art Meinungs- und Politikmonopol aufbauen. Dieses Monopol fällt dank Social Media.

 

Aber mal ehrlich, lieber Kollege Holz-Medialer: Muss man deshalb gleich so übel und lautstark drohen? Wie wäre es mit gutem Journalismus, um die Leser gut zu informieren, statt einseitige Tendenzen zu exekutieren?

 

Ach ja, brüllten Sie mir ja lautstark ins Ohr: Das können Sie nicht. Sie drucken halt, was die Obrigkeit Ihnen so in den Block diktiert. Gegenrecherche? Fehlanzeige Kritisches Befragen? Fehlanzeige.

 

Statt dessen verlegt sich dieser Redakteur (Mag ich ihn noch Kollege nennen?) lieber aufs Drohen und brüllt etwas von „Fertigmachen“. Das hat dieses Holz-Medium übrigens vor einigen Jahren schon einmal ähnlich probiert. Wer stoppt Welchering, schrieb der dortige Ressortleiter für kommunales Obrigkeitsdenken in lauernd-geifernder Schreibart. Nun droht sein Kollege mir damit, das Holzblatt würde mich fertig machen, wenn ich nicht aufhöre, kritische Blog-Beiträge und Tweets zu schreiben.

 

Ich habe ihn gefragt, ob er wirklich glaubt, damit Transparenz verhindern und reaktionäre Politik durchsetzen zu können. Denn verglichen mit seinem Holz-Medium, das wirklich teilweise grottenmäßig schlechten Journalismus abliefert, erzielt Social Media ohnehin die besseren Reichweiten und die höheren Aufmerksamkeitseffekte.

Natürlich stellt sich die Frage, warum ich über die Drohung blogge. Die Antwort ist einfach, um sie öffentlich zu machen, denn Öffentlichkeit bietet Schutz vor diesen miesen Machenschaften einzelner Holz-Medialer.

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Kommentare: 13

  • #1

    Arndt (Samstag, 23 Juni 2012)

    Hat Frau Önay nicht kürzlich vom tiefen Staat gesprochen? Bei ihnen ist der Realität wie mir scheint.

  • #2

    Sabine (Sonntag, 24 Juni 2012 11:00)

    Wir regen uns immer über die Blöd-Zeitung auf. Dabei sind solche lokalen Blätter wie hier geschildert viel schlimmer Ich habe übrigens die Freiberg-Affäre hautnah miterlebt. Erst machen Herr B und Frau W üblen Scmuddeljournalismus treiben einen unbescholtenen Kommunalpolitiker vor sich her und dann können sie Kritik von Lesern nicht vertragen und sind in einer DJV-Veranstaltung nur noch laut

  • #3

    Moritz (Sonntag, 24 Juni 2012 12:10)

    In 5-10 Jahren ist das Problem erledigt, dann sind die Holzmedien Geschichte

  • #4

    Frank (Montag, 25 Juni 2012 08:02)

    Das ist ein Problem von Allmachtsfantasien, die nicht nur Lokalredakteure sondern auch Bürgermeister mitunter haben. Nehmen Sie solch ein Geschrei einfach nicht ernst.

  • #5

    Irene (Montag, 25 Juni 2012 11:20)

    Das ist schon lustig, was in der schwäbsichen Provinz im Jahr 2012 möglich ist. Als Mitglied des Deutschen Presserates sollten Sie da aber mal heftig aufräumen, lieber Peter Welchering.

  • #6

    Murphy WiWi (Dienstag, 03 Juli 2012 14:35)

    "gehörig Unerhörtes hörbar gemacht"
    Dank Ihnen, Herr Welchering, und durch eine Art von "Internetfreiheit" gibt es immerhin ein Gegengewicht gegen Filz und Politiker, die der Presse Inhalte diktieren. Schade nur, dass Blogs, Tweets und Social Media insgesamt nicht das ganze Spektrum aller Zielgruppen erreicht...noch nicht!

  • #7

    Manfred (Mittwoch, 04 Juli 2012 16:11)

    Von der Lokalzeitung hier am Ort bin ich so etwas gewohnt. Ich wohne in Freiberg. Die drohen auf unterste schublade niveau

  • #8

    Tim (Dienstag, 17 Juli 2012 14:52)

    Wenn das von Ihnen genannte Blatt ein Krankenhaus wäre, würde man das Haus wegen Kurpfuscherei schließen. Aber so drucken die ihren Mist weiter, wollen uns Bürger bevormunden und sind sauer, wenn man das Witzblatt abbestellt.

  • #9

    Anonym (Dienstag, 17 Juli 2012 14:56)

    Ich arbeite bei diesem Witzblatt, aber ich kann IP-Adressen verschleiern. Wenn ich einen anderen Job hätte, ich wäre sofort weg. Ihnen haben die ein bischen gedroht, uns machen die jeden Tag platt und ein. Und wo ist da die Gewerkschaft? Wenn das so weitergeht, habe ich ernsthafte gesundheitliche Schäden. Aber weder Verdi noch der DJV haben auf meine Hilferufe bisher reagiert. Ehrlich, kann nicht merh und gehe aufm Zahnfleisch.

  • #10

    Peter Welchering (Mittwoch, 18 Juli 2012 14:54)

    Liebe Anonyma, lieber Anonymus,

    das klingt ziemlich schlimm. Ich denke schon, dass der DJV hier helfen kann. Sie können mich gern anrufen (07154/174841).

    Ich bin mir sicher, dass wir da eine Lösung und evtl. Vermittlung mit der Chefredakteurin schafen werden. Wenn Sie nichts dagegen haben, binde ich noch eine Kollegin aus dem DJV-Landesvorstand ein. Es ist vielleicht besser, wenn die dann an Ihre Chefredakteurin herantritt.

    Übrigens: Sie haben die IP-Adresse wirklich gut verschleiert. Ich bin über den Anonymouse-Server nicht hinausgekommen.

  • #11

    Angry Mob (Montag, 07 Januar 2013 15:14)

    Wir wollen Namen!

  • #12

    Frank (Montag, 07 Januar 2013 16:16)

    Schmeißt diese Brüder aus dem Journalistenverband raus!

  • #13

    Andrea (Dienstag, 08 Januar 2013 12:52)

    Ich kenne die Namen, habe sie recherchiert, und das Lokalblatt abbestellt. So können wir uns als Bürger wehren. Wir müssen doch nicht jeden Mist kaufen, den die Verleger drucken, auch nicht im Lokalen.

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