Audio-Slideshows etablieren sich

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Es muss nicht immer Video sein

Neben Videos zählen Bildergalerien noch immer zu den Favoriten bei den Web-Präsenzen von Verlagen. Doch nicht immer muss es gleich das Video-Podcast sein. Mit der Audio-Slideshow können Netznutzer und Kunden sehr emotional angesprochen werden. Trendberichte und Anwenderreportagen kommen so hautnah rüber. Das bietet Fachverlagen große Chancen.

 

Die San Jose Mercury News war einer der Vorreiter. Mit ihren Web-Reportagen Ende der 1990er-Jahre kombinierte sie Fotos und Audio. Das waren damals noch reine Standbilder, die ähnlich einer ganz konventionellen Diaschau arrangiert waren. Ergänzt wurden die Fotos durch einen Sprechertext, der die Fotos nicht nur erläuterte, sondern insgesamt sehr viel mehr bot als lediglich die gesprochene Bildunterzeile.

 

Mit Fotos, Atmos, also sorgfältig ausgesuchten Geräuschen, die das Foto in eine virtuelle Klangumgebung setzen, Originaltönen Beteiligter und einem mehr oder weniger moderierenden Sprecher erreichten die amerikanischen Kollegen schon damals eine sehr imposante Reportageleistung, die dem Web-Nutzer ein Thema sehr viel fokussierter nahe bringen konnte als die bloße Foto-Text-Kombination.

 

 

Audio-Slideshows etablieren sich genau zwischen Audio- und Videopodcasts

 

Ab 2002 wurde es dann wieder recht still um diese neue journalistische Darstellungsform im Netz. Vereinzelt wurden  Audio-Podcasts um Fotos der Interviewten ergänzt. Von der eigentlichen Web-Reportage mit „Foto-Podcast“, wie das damals genannt wurde, war diese Präsentationsform jedoch weit entfernt.

 

Seit einigen Monaten wird sie auf den Web-Sites verschiedener Verlage als „Audio-Slideshow“ wiederbelebt. Und diese Slideshows bieten dieselbe Kombination von Foto, Atmos, O-Tönen und Sprecherbeiträgen wie die damaligen US-Web-Reportagen. Allerdings sind die verwendeten Fotos heutzutage häufig animiert, so dass die Audio-Slideshow von der Anmutung her dem Video oftmals näher ist als der klassischen Diaschau.

 

„Die Audio-Slideshow wird die Online-Kommunikation auch in den Fachverlagen nachhaltig verändern“, ist Professor Stefan Hencke, Geschäftsführer der Stuttgarter Marktforschungsagentur Convensis GmbH überzeugt. Und dafür gibt es nach seinem Dafürhalten gute Argumente: Die Produktionskosten liegen deutlich unter denen eines Video-Podcasts. In der Regel können bereits für andere Zwecke gemachte Fotos mit unaufwändiger Animation angereichert für die Audio-Slideshow verwendet werden. Und zum Dritten können die sogenannten Nutzwertthemen, die für Fachverlage von besonderer Bedeutung sind, mit Audio-Slideshows sehr attraktiv und fokussiert vermittelt werden.

 

Anwenderreportagen und Trendberichte werden durch die Foto-Sprechertext-Komposition nicht nur wesentlich informativer, sondern halten das Interesse des Nutzers am Thema durch einen geschickt dosierten Unterhaltungswert wach. Dabei ist der Sprecher nicht die einzige akustische Vermittlungsinstanz. Eine themenangepasste Musik und O-Töne sowie Atmos erhöhen die Attraktivität der so präsentierten Geschichte noch.

 

Das erlaubt den Einsatz von Feature-Elementen in Trendanalysen oder Marktübersichten, die sich im Web-TV so nicht vermittelt lassen würden. Wichtig ist dabei, dass eine breite Foto-Auswahl zum Thema vorliegt, bevor der Sprechertext geschrieben, die Musik ausgewählt und O-Töne sowie Atmos aufgenommen werden.

 

 

Animierte Fotos müssen dem Erzählkonzept folgen

 

Die Vermittlungsleistung der Audio-Slideshow geht von (animierten) Fotos aus und wird über Atmos sowie O-Töne verstärkt. Der Off-Sprecher stellt den Kontext her, in dem die einzelnen Elemente angesiedelt sind. Das sorgt für eine besondere Nähe und Emotionalität, auch wenn zugleich ausgesprochen faktenreiche Inhalte transportiert werden.

 

Etabliert haben sich kurze Audio-Slideshows mit schnellen Bildwechseln, die deutlich unter zwei Minuten Gesamtlaufzeit aufweisen und mit zahlreichen Animationen ausgestattete Foto-Podcasts, die es schaffen, sehr hintergründige und faktenreiche Themen auf unterhaltsame Weise mit einer Spielzeit von fünf bis sieben Minuten an den Nutzer zu bringen.

 

Gegenwärtig orientieren sich die Realisatoren von Audio-Slideshows bei der Gestaltung der Fotoanimationen noch sehr stark an den Visualisierungsvorgaben, die von Bildsprache von Videoreportagen her bekant sind. Dabei wird sehr gern mit Bild-Zooms oder der Verlagerung von Bildausschnitten gearbeitet. Auch 3-D-Animationen für eigentlich zweidimensionale Fotos gelten momentan als trendig.

 

Daneben entwickelt sich aber als dritte Entwicklungslinie die Kombination von reinen Standfotos mit sparsam animierten Bildern. Zu finden sind diese Darstellungsformen in erster Linie auf den Web-Präsenzen von Tageszeitungen und in Nachrichtenportalen. Doch die ersten Fachverlage experimentieren bereits damit und stoßen bei Lesern wie Anzeigenkunden damit auf recht großes Interesse.

 

 

Handwerkszeug für eine Audio-Slideshow


Foto-Podcasts oder Audio-Slideshows müssen in der Produktion nicht wesentlich aufwändiger sein als gut produzierte Audio-Podcasts. Natürlich muss das Fotomaterial stimmen. Nicht selten ist hier aber eine reichhaltige Auswahl in den Redaktionen von Fachzeitschriften vorhanden, so dass der Fachredakteur nicht unbedingt mit der eigenen Spiegelreflexkamera auf die Bilderjagd ziehen muss. Für die Bildbearbeitung empfiehlt sich Photoshop, für die Tonbearbeitung Audition. Foto und Audio werden dann zum Beispiel mit Soundslides (ca. 60 US-Dollar, www.soundslides.com) zur Audio-Slidshow komponiert. Soundslides erstellt auch gleich die entsprechenden XML- bzw. HTML-Dateien für die Einbindung der Slideshow in die Web-Präsenz.

vgwortzaehlmarke8

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Kommentare: 1
  • #1

    Malte (Mittwoch, 29 September 2010 13:31)

    Dabei wird die Audio-Slideshow doch von so vielen totgesagt. stimmt mich ja nun wieder optimistisch

Was kann ein Comiccast?