Mi

22

Aug

2012

Bits und Bomben - Making of - Teil 1

Die Arbeit am Buch „Bits und Bomben“ ist von unseren Freunden im Bundesministerium der Verteidigung mit recht großem Interesse begleitet worden. Wie immer, wenn ich über digitale Waffen und Szenarien des Cyberwar veröffentlichte, waren die Experten von Hardthöhe und Bendlerblock zur Stelle – weniger mit hilfreichen Angaben bei der Recherche als vielmehr mit guten Ratschlägen für die Veröffentlichungen selber. Hier werde, bitte schön, nichts veröffentlicht, was nicht zuvor über seinen Schreibtisch gegangen und vom ihm freigegeben worden sei, blaffte mich etwa ein ins BMVg abkommandierter Offizier der bundeseigenen Trachtentruppe an. Dabei hatte unser Telefonat so nett begonnen. Habe gehört, Sie schreiben mit Kollegen ein Buch über den Cyberwar, begann der Lamettaträger das Ferngespräch und lockte mich mit der Ankündigung: Würde das gern lesen. Als ich ihm lapidar antwortete: Gern, kostet 34,90 und kann per mail vertrieb@avm-verlag.de direkt beim Verlag bestellt werden, rutschte unser Gespräch auf der nach unten offenen Höflichkeitsskala etwas ab.

 

Das war übrigens derselbe Offizier, der sich vor einiger Zeit bereits gemeldet hatte, nachdem ich hochoffiziell für ein Interview angefragt hatte. Für den Deutschlandfunk arbeitete ich damals an einem Feature über den digitalen Krieg und wollte gern Soldaten der neu aufgestellten Cybertruppe der Bundeswehr in der Tomburg-Kaserne in der Nähe von Bonn interviewen. Die nassforsche Antwort auf meine Anfrage lautete: Wenn Sie sich der Tomburg-Kaserne auch nur auf Sichtweite nähern, lassen wir die Feldjäger von der Leine.

 

So sind sie halt, die Offiziere unserer Parlamentsarmee, die unter Innerer Führung immer noch in erster Linie Formalausbildung verstehen. Das wird offensichtlich auch nicht besser.

 

Immerhin konnte ich unter recht klandestinen Umständen dann doch noch zwei in der Tomburg-Kaserne Dienst tuende Soldaten sprechen. Die hatten auch jede Menge interessante Informationen über die Tastatur-Krieger im Verteidigungsministerium und ihre teilweise doch recht ungewöhnlichen Cyberkriegsvorstellungen.

 

Kein Wunder also, dass die ministerialen Uniformträger einige Passagen aus „Bits und Bomben“ gern gestrichen hätten. Das hat zwar nicht geklappt, aber lesen dürfen sie das natürlich, ab dem 6. September, dem Erstverkaufstag des Buches, vorher natürlich nicht. Wir haben ihnen nicht einmal gesagt, wo das Werk gedruckt wird. Nicht, dass da noch eine Einheit der Regionalen Sicherungs- und Unterstützungskräfte (RSUKr) auftaucht und den Buchdruck durch Panzereinsatz stört. Denn die sollen sich ja nach dem Willen der Leitung unseres BMVg um die „widerstrebende Bevölkerung“ kümmern. Also liebende Freunde von der Fliegenden Gebirgsmarine in Berlin: Erst zahlen, dann lesen. Und die 34,90 EUR sind dem Budget des Verteidigungsministeriums doch wohl zuzumuten.

 

Manfred Kloiber, Jan Rähm, Peter Welchering; Bits und Bomben. Cyberwar: Konzepte, Strategien und reale digitale Kontroversen. München, Akad. Verlagsgemeinschaft München, 1012, ISBN: 978-3-86924-325-5

 

Bestellungen unter vertrieb@avm-verlag.de

 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0

Was kann ein Comiccast?