Sa

01

Feb

2014

Verleger und Politik setzen auf Deprofessionalisierung des Journalismus

Im Presserat wollen wir endlich die digitale Realität mit dem Pressekodex einholen. Das wird höchste Zeit, ist aber gar nicht so einfach. Natürlich spielt dabei die Frage eine große Rolle, wie mit dem sogenannten „user generated content“ umzugehen ist.

 

Hier ist der Arbeitsgruppe im Deutschen Presserat ein wirklich guter Wurf gelungen. Der Textvorschlag zum „user generated content“ ist intensiv diskutiert worden, aber er holt die Wirklichkeit ein und gibt ethisch sauber begründete Handlungsleitlinien.

 

Doch das Umfeld dieser Diskussion war enorm spannend. Einige Verlage wollen für die auf ihren Portalen und den von ihnen veranstalteten Foren zu lesenden Beiträgen von Netznutzern keine Verantwortung im ethischen Sine übernehmen. Andere Verlage wiederum sind zwar bereit, im Sinne einer folgenlos aufgebauten weichen Professionsethik eine abstrakte Verantwortung zu übernehmen, wollen aber für Beiträge ihrer Leserreporter und für kostenlose Zulieferungen ihrer „User“ Ausnahmen von den publizistischen Grundsätzen.

 

Die Strategie dahinter ist deutlich erkennbar und schreckt die Vertreter der Journalistenverbände natürlich auf. Zunächst wird mit Leserreportern und kostenlosen Zulieferungen für die verschiedenen Formate Druck gemacht, um Journalistengehälter und Honorare schmelzen lassen zu können wie einen angesägten Eisblock in prallem Sonnenschein. Und dann soll der Presserat etwas versteckt seinen Segen dazu geben, dass die journalistische Kostenlos-Kultur nicht mehr so richtig oder eben doch nicht vollständig und am besten doch gar nicht den publizistischen Grundsätzen verpflichtet ist.

 

Dahinter steckt eine De-Professionalisierungsstrategie des Journalismus, die in den Verlagen Kosten reduzieren soll. Abgesehen davon, dass einige Verlegerdarsteller in der Vergangenheit einige Blätter erfolgreich gegen die Wand gefahren haben, weil sie Journalismus nicht mehr als (durchaus auch wirtschaftlich ertragreiche ) Aufgabe gesehen haben, sondern als Kostenfaktor, haben wir es ja schon seit einiger Zeit mit unterschiedlichen Ansätzen zur De-Professionalisierung zu tun.

 

In der Großen Koalition schaut so mancher Medienpolitiker mit großem Wohlgefallen auf die Versuche, unsere Profession zu de-professionalisieren. Denn ein de-professionalisierter Journalist ist nicht investigativ, sondern affirmativ, ein de-professionalisierter Journalist lässt sich leicht steuern, ein de-professionalisierter Journalist belastet weder sich noch die Politik mit so etwas hoffnungslos Unmodernem wie einem Wächteramt.

 

Und so mancher Kollege und auch die eine oder andere Kollegin machen die De-Professionalisierungsstrategie zwar ungern, aber doch mit, weil sie sehen, dass der Verleger ihnen die Kirschtorte nicht mehr gönnt und gleichzeitig meinen durch Wohlverhalten in Sahen De-Professionalisierung könnte für sie zumindest noch die eine oder andere Kirsche von der Torte des Verlages für sie abfallen.

 

Ob journalistischer Widerstand gegen die Professionalisierung noch erfolgreich sein kann, weiß ich nicht mehr, seit ich zur Kenntnis nehmen musste, dass die Verleger ihre Leser in digitalen Zeiten nicht Leser nennen, sondern mit derselben Bezeichnung belegen, die auch die Drogendealer für ihre Kunden Verwenden: User.

 

Da erscheint mir die Bedeutung des User Generated Content, auf den einige Verleger plötzlich so massiv abfahren, doch in ganz neuem Licht.

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Kommentare: 2
  • #1

    Damon Trueblood (Freitag, 03 Februar 2017 00:40)


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  • #2

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