Di

25

Feb

2014

Tipps für den digitalen Informantenschutz

Gläserne Reporter gefährden die Pressefreiheit

 

 

 

NSA und BND lesen gern mal mit, was alles so in den E-Mails steht, die an Journalisten verschickt werden. Und in Bundesministerien ist sogar schon das eine oder andere Mal mitgeschnitten worden, was Journalisten sich so auf der hauseigenen Website anschauen. Außerdem liefert noch das Smartphone Bewegungsprofile, die Detektiven und Schlapphüten den Weg zum Informanten weisen. Dagegen hilft nur eines: Eine digitale Tarnkappe.

 

Den Wettlauf um die Identität des Informanten konnten die Reporter des Deutschlandfunks 2006 nur ganz knapp zu ihren und des Whistleblowers Gunsten entscheiden. Ein Insider aus dem Bundesministerium des Inneren hatte den Computerjournalisten Unterlagen über Planspiele übermittelt, die biometrischen Daten für den elektronischen Personalausweis an interessierte Unternehmen weiterzuverkaufen. Die Planspiele wurden nach der Veröffentlichung sofort eingestellt. Der Weiterverkauf biometrischer Daten der Bundesbürger war geplatzt.

 

Aber die Hatz auf den Informanten begann. Internet-Adressen-Rückverfolgung, Auswertung von Dienstmail sowie Analyse von Profildaten aus dem Kommunikationsverhalten im Internet und im Mobilfunk gehörten zu den Methoden, mit denen Netzdetektive den Insider dingfest machen wollten. Sie hatten keinen Erfolg. Denn die Reporter verschleierten jeden Kontakt mit dem Informanten mit Krypto-Chats nachhaltig, verschlüsselten alle Daten, benutzten Einmal-Browser und anonyme Telefonnummern, mailten nur über Anonymisierungsnetzwerke und surften unerkannt im Netz.

 

Die Netzdetektive waren zwar hochgerüstet, aber die Reporter waren ausreichend vorsichtig und beherzigten die Grundregeln für den Schutz von Informanten im digitalen Zeitalter: Möglichst wenig Spuren hinterlassen, am besten keine verwertbaren.

 

Sicherheits-Know-how schützt den Informanten

 

Dateien zu verschlüsseln, ist da ein guter erster Schritt. Das geht inzwischen recht komfortable mit kostenlosen und mit kommerziellen Verschlüsselungsprogrammen. Die kosten meist ab 20 Euro aufwärts, bieten aber auch ausreichend lange Schlüssel, so dass das Passwort-Cracking auch für die Profis mit Schlapphut und Superrechner zumindest höheren Aufwand bedeutet.

 

Ganz sensible Daten mit brisanten Informationen, die einen Informanten identifizieren können, sollten aber auch verschlüsselt nicht über Nacht einfach auf dem Büro-PC gespeichert bleiben. So etwas trägt der datenschutzbewusste Journalist auf einem externen Datenträger lieber bei sich oder schließt es im Tresor seiner Bank ein.

 

Mail sollte nicht in jedem Fall lesbar sein, also muss auch hier Verschlüsselung her. Wer Freude am Installieren von Software hat, nutzt die Mail-Software Thunderbird, die wie der Firefox-Browser von der Mozilla Foundation herausgegeben wird. Allerdings erfordert eine solche asymmetrische Verschlüsselung, wie mit Thunderbird, doch etwas Aufwand. „Deshalb haben wir den Workshop zum digitalen Informantenschutz ins Programm genommen“, erläutert Heidrun-Ute Geibel, die Geschäftsführerin der Journalisten-Akademie Stuttgart. Denn der Nachholbedarf vieler Kolleginnen und Kollegen zum Beispiel in Sachen Verschlüsselung und verdeckten Recherchen im Internet ist riesengroß.

 

Mit Verschlüsselung ist übrigens noch keine Anonymität erreicht. Durch die mitgelieferte Internet-Protokoll-Adresse kann die Mail zurückverfolgt werden. Eine Lösung bieten hier Anonymisierungsserver. Sehr gut arbeiten lässt sich auch mit verschlüsselten Dateien und toten elektronischen Briefkästen. Dazu benötigen Informand und Informant nur ein Benutzerkonto bei einem Cloud-Anbieter. Das kann sogar die Dropbox sein. Ihre Miteilungen verschlüsseln sie, laden die verschlüsselte Datei in die Cloud und nutzen dafür stets einen Anonymisierungsserver.

 

„Wir haben mit den Themen Recherche im Internet und den digitalen Informantenschutz seit drei Jahren in unseren Grundlagenseminaren mit den Zeitschriftenvolontären sehr gute Erfahrungen sammeln können“, berichtet Akademie-Leiterin Ute Geibel. Das hat den Programmplanern der Stuttgarter Journalisten-Akademie Mut gemacht, jetzt ein breiteres Angebot aufzusetzen, um den Informantenschutz in digitalen Zeiten zu verbessern.

 

 

Schotten dicht – der Workshop digitaler Informantenschutz am 18. März in der Journalisten-Akademie Stuttgart

 

Die NSA-Geheimdienstaffäre hat es ganz deutlich gemacht: Die Kommunikation  der Bürger- vor allem im Internet- wird flächendeckend  kontrolliert und überwacht. Das stellt Journalistinnen  und Journalisten vor große Herausforderungen: Wie können sie die Kommunikation  mit Informanten  und Gewährsleuten  so absichern,  dass sie Ihre Quelle  nicht  in Gefahr  bringen?  Wie sichert man  Rechercheergebnisse  vor Manipulation,  Diebstahl oder Verlust? Der Workshop beantwortet Fragen rund um die ethischen, rechtlichen und technischen Aspekte des lnformantenschutzes. ln einem theoretischen  Teil werden die Grundlagen  dazu geklärt. Im praktischen  Teil können die Teilnehmer wichtige Sicherungsmaßnahmen sofort umsetzen: Vom Verschlüsseln der Festplatte bis hin zur steganografischen  Sicherung wichtiger Informationen.

 

 

 

Referenten: Peter Welchering, Freier Journalist, Welchering Medienbüro Stuttgart und Manfred Kloiber, Freier Journalist, Journalistenbüro  Klick Köln

 

Termin:                    18. März 2014 von 10.00 bis 17.00 Uhr

 

Seminarort              Herdweg 63, 70174 Stuttgart

 

Seminargebühr:     190.--€ für DJV-Mitglieder, 210.-- € für Nichtmitglieder

(steuerlich absetzbar), incl. Tagungsgetränke, Unterlagen

 

Fragen und Anmeldungen: 0711/222495460 oder akademie@djv-bw.de

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