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05

Mär

2014

Serie: Schmuckfotografie, Teil 1: Schmuckfotografie ist Farbverarbeitung

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Am 5. und 6. April 2014 findet an der Europäischen Akademie der Juweliere, Gold- und Silberschmiede in Ahlen das Praxisseminar "Schmuck in Szene gesetzt" statt. Zur Vorbereitung auf dieses Praxisseminar erscheint die fünfteilige Serie "Schmuckfotografie"

 

 

 

Digitale Fotografie gibt dem Juwelier und Goldschmied, aber auch dem Schmuckliebhaber eine Menge visueller Gestaltungsmöglichkeiten an die Hand, die noch vor rund 15 Jahren viel Geld gekostet haben. Aber digitale Fotografie hat gegenüber der anlogen auch Nachteile. So hat jeder Schmuckfotograf, der zum Beispiel mit einer herkömmlichen Digitalkamera arbeitet. Auf einige Verarbeitungsprobleme des Bildsensors zu achten.

 

Die Kamerahersteller wissen natürlich um diese Probleme und haben entsprechende Softwareroutinen entwickelt, die beispielsweise das Grundrauschen einfach wegrechnen sollen. Diese Entrauschungsroutinen sind außerordentlich unterschiedlich von den Programmalgorithmen her strukturiert und liefern dementsprechend unterschiedliche Ergebnisse. Vor dem Kamerakauf sollten deshalb einige Dutzend Schmuckfotos mit dem Kaufobjekt der Bilderbegierde probeweise gemacht werden, um die in der Kamera eingebettete Bildverarbeitungssoftware zu testen und mit den gewünschten Ergebnissen zu vergleichen.

 

Der Bildsensor tastet das Bild einfach ab und schickt die erfassten Bildpunkte dann zur Speicherkarte. Dabei kann schon eine ganze Menge schief gehen oder verzerrt werden. Die Sensorzelle selbst kann nämlich keine Farben, sondern nur Helligkeiten erkennen. Deshalb haben die Hersteller aller Digitalkameras über die eigentlichen Sensorzellen einen Farbfilter gelegt, der aus roten, grünen und blauen  Matrixelementen besteht (RGB).

 

Die Matrixelemente in der Filtermaske sind dabei so angeordnet, dass jeweils einem blauen Element ein grünes und einem roten ein weiteres grünes gegenüberliegt. Das hat zur Folge, dass die Kameras zweimal so viele grüne Bildpunkte erfassen wie blaue oder rote. Der Effekt ist gewollt, weil ja auch das menschliche Auge sehr viel stärker grünempfindlich als blau- oder rotempfindlich ist. Deshalb wird die Farbverteilung der Bildpunkte jeweils über vier Elemente berechnet.

 

Die heutigen Spiegelreflexkameras arbeiten in aller Regel mit Sensorauflösungen zwischen 8 und 16 Bit, können also pro Bildpunkt und Farbelement zwischen 156 bis hin zu 512 Werte ermitteln, so dass schon sehr feine Farbstufungen möglich sind. Die Qualität der Farbabstufung ist jedoch wesentlich von der Software abhängig, die die Sensorverarbeitung steuert. Dabei ist ganz wichtig, ob pro Bildpunkt die Farbkomponenten getrennt oder gemeinsam berechnet werden. Die getrennte Berechnung von Gründ, Blau und Rot sorgt in der Regel für eine höhere Farbgenauigkeit, so dass Weißgold auch wirklich als Weißgold auf dem Bild zu sehen ist.

 

Je nachdem, ob der Himmel gerade grau verhangen ist, die Sonne richtig herunterprallt oder Bilder in einem äußerst abgeschatteten Raum erstellt werden müssen, haben die Fotografen in der guten alten analogen Zeit mit unterschiedlichen Filmen gearbeitet, die eine jeweils andere Lichtempfindlichkeit haben. Diesen Filmempfindlichkeiten entsprechen bei digitalen Spiegelreflexkameras die Sensorempfindlichkeiten. Je empfindlicher der Sensor eingestellt wird, desto mehr Signale kann er einfangen. Doch die bestehen leider nicht nur aus den wirklichen Nutzsignalen des Bildes, sondern auch aus unbeabsichtigten Bildstörungen.

 

Hier gilt die Faustregel: Je höher die Empfindlichkeit des Sensors, um so mehr Rauschsignale werden mit gespeichert. Die Film- und Sensorempfindlichkeit wird in ISO- oder ASA-Werten angegeben, die übrigens völlig identisch sind (ASA=American Standars Association, ISO= International Standard Organisation). Digitale Spiegelreflexkameras arbeiten meist mit Sensoreinstellungen zwischen 80 und 3200 ISO.

 

Will man möglichst wenig Störsignale mit aufnehmen, so empfiehlt es sich, mit einer möglichst geringen Sensorempfindlichkeit zu arbeiten. Deshalb ist man als Schmuckfotograf stets auf der richtigen Seite, wenn man sich für die jeweils niedrigere mögliche ISO-Einstellung entscheidet. Allerdings müssen die Lichtverhältnisse das natürlich ermöglichen.

 

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Kommentare: 2
  • #1

    msp (Donnerstag, 06 März 2014 10:13)

    Ich glaube, bei der Angabe der Werte pro Farbelement ist ein Rechenfehler: Es müsste m.M.n. "zwischen 256 und 65536 Bit" heißen. Oder habe ich es nicht verstanden?

  • #2

    Peter Welchering (Donnerstag, 06 März 2014 11:26)

    Die meisten Kameras arbeiten heute noch immer mit einer Farbtiefe von 12 oder 14 Bit, insofern sind die 8 - 16 Bit schon korrekt.

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