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16

Mär

2014

Schmuckfotografie teil 2: Mehr Licht

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Am 5. und 6. April 2014 findet an der Europäischen Akademie der Juweliere, Gold- und Silberschmiede in Ahlen das Praxisseminar "Schmuck in Szene gesetzt" statt. Zur Vorbereitung auf dieses Praxisseminar erscheint die fünfteilige Serie "Schmuckfotografie"

 

Die Lichtstärke ist das A und O in der Schmuckfotografie. Auch bei der Arbeit mit Objektiven ist die Lichtstärke entscheidend. Schmuckfotografie ist häufig Makrofotografie, weil extreme Nahaufnahmen der Schmuckstücke oder Edelsteine gefertigt werden müssen. Problematisch ist dabei, dass die Schärfentiefe von Makroaufnahmen äußerst gering ist. Deshalb muss der Schmuckfotograf hier mit möglichst großen Blendenwerten arbeiten, um ausreichende Schärfentiefe sicherzustellen.

 

Je größer der Blendenwert oder die Blendenzahl, desto schärfer wird das Gesamtbild. Das heißt, wenn die Blenden der Kamera möglichst wenig geöffnet wird (=großer Blendenwert), dann wird das Bild insgesamt schärfer. Wird die Blende weiter geöffnet (=kleiner Blendenwert), so wird nur der direkt fokussierte Bereich scharf, der Hintergrund hingegen wird unscharf. Bei Porträtaufnahmen ist das ein gewünschter Effekt, bei Aufnahmen von Schmuckstücken und Edelsteinen versucht man hingegen, diesen Effekt gerade zu vermeiden und das gesamte Bild mit ausreichender Schärfentiefe zu erzeugen.

 

Sollen also zum Beispiel in der Edelsteinfotografie die Steine mit großer Schärfentiefe abgelichtet werden, muss der Fotograf mit möglichst großen Blendenwerten und somit weitgehend geschlossener Blende arbeiten. Dazu braucht er viel Licht, unter Umständen lange Verschlusszeiten und deshalb unbedingt ein Stativ.

 

Wird das Schmuckstück am Menschen getragen, zum Beispiel ein Ohrring oder ein Armband, dann kann neben der Verwendung eines Makroobjektivs (z.B. f2,8/100mm) auch der Einsatz eines Teleobjektivs – unter Umständen mit einer Makrolinse kombiniert – für sehr reizvolle Bilder sorgen. Insbesondere bei Modeschauen, bei denen die Entfernung zur Schmuckträgerin in der Regel immer einige Meter beträgt, ist das eine sinnvolle Objektivkombination.

 

Als Teleobjektiv bezeichnet man in der Regel alle Objektive mit einer Brennweite oberhalb von 70 Millimetern, währenddessen Objektive mit Brennweiten unterhalb von 35 Millimetern als Weitwinkel bezeichnet werden. Mit langen Brennweiten kann man ein Schmuckstück, also ein relativ kleines Objekt, auch aus größeren Entfernungen noch bildfüllend aufnehmen. Das ist ja eine wesentliche  Voraussetzung für gute Produktfotos.

 

Allerdings muss man bedenken, dass bei langen B rennweiten eben auch der Lichtbedarf und die Verwacklungsgefahr steigen. Digitale Spiegelreflexkameras haben deshalb Softwareroutinen für die Bildstabilisierung eingebettet, die dafür sorgen, dass Verwackelungsunschärfen regelrecht herausgerechnet werden. Doch immer, wenn Software ins Spiel kommt, hängt die Bildqualität von den verwendeten Algorithmen ab.

 

Bei den bisher entwickelten Softwarepaketen für die Bildstabilisierung, werden Wackelbewegungen der Kamera eigentlich erst ab einer Brennweite von über 200 Millimetern effektiv herausgerechnet. Bei Brennweiten, die darunter liegen, arbeiten die Algorithmen in aller Regel noch zu unsauber. Und natürlich steigt der Lichtbedarf bei Verwendung größerer Brennweiten. Das kann teilweise durch eine größere Blendenöffnung (=kleinerer Blendenwert) ausgeglichen werden. Jedoch wird dadurch ja bekanntermaßen die Schärfentiefe geringer.

 

Das Bild kann somit allein durch unzureichendes Licht bei großen Brennweiten als unscharf und verwackelt erscheinen. Das gilt auch für den Fall, dass die Blendenöffnung durch eine längere Verschlusszeit kleiner gehalten werden soll. Je länger nämlich belichtet wird, um so besser kann das vorhandene Licht ausgebeutet werden. So kann dann unter Umständen durch längere Belichtung (=längere Verschlusszeit) eine kleinere Blendenöffnung (=größerer Blendenwert) erreicht werden. Das führt dann zwar zu mehr Schärfentiefe, kann  aber nur mit einem guten Stativ gelingen, weil ansonsten die Gefahr des Verwackelns viel zu groß ist. Als Faustregel kann hier gelten, dass Verschluss- oder Belichtungszeiten oberhalb 1/60 Sekunde zwingend den Einsatz eines Stativs voraussetzen.

 

 

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