Schmuckfotografie Teil 3: Die Bild-Idee macht's

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Am 5. und 6. April 2014 findet an der Europäischen Akademie der Juweliere, Gold- und Silberschmiede in Ahlen das Praxisseminar "Schmuck in Szene gesetzt" statt. Zur Vorbereitung auf dieses Praxisseminar erscheint die fünfteilige Serie "Schmuckfotografie"

Ob die Bilder in der Schmuckfotografie von exzellenter oder unerträglicher Qualität werden, entscheidet sich für gewöhnlich bereits in der Vorbereitungsphase. Denn gute Bilder entstehen zunächst im Kopf. Das gilt auch für die Schmuckfotografie. Bildkomposition, Farbgebung, die Dramaturgie des Bildes und seine Dynamik müssen systematisch entwickelt sein, bevor die Arbeit mit Kamera und Licht am Fototisch oder sogar im Studio starten kann.

 

Für den Goldschmied oder Juwelier empfiehlt sich die Anschaffung eines höhenverstellbaren Arbeitstisches. Das erspart die Arbeit in gebückten oder anderen ungünstigen Körperhaltungen. Im Bürofachhandel sind solche Tische mit elektrischem Antrieb schon ab 250 EUR zu haben.

 

Als Grundausstattung in Sachen Licht haben sich ein bis zwei Tageslichtquellen, zum Beispiel von Eickhorst, eine Ringleuchte von Soligor und eine Kaltlichtquelle mit Schwanenhälsen zum besseren Setzen von Lichtsspots (z.B. Kaiser Macrospot) bewährt. Als Zusatzausstattung empfiehlt sich eine Iris-Blende für die Kaltlichtquelle. Denn damit kann vor allen Dingen bei der Edelsteinfotografie das Licht sehr fokussiert gesetzt werden. Eine kleine Leuchtplatte vervollständigt die Basisausstattung.

 

Auch über den Hintergrund, vor dem der Schmuck, die Uhr oder der Edelstein abgelichtet werden soll, muss der Schmuckfotograf sich im Vorfeld einige Gedanken machen. Wichtig ist dabei der fließende Übergang vom waagerechten Untergrund zum senkrechten Hintergrund. Es empfiehlt sich der Einsatz von verschiedenfarbigem Fotokarton. Zumindest die Farben Schwarz, Weiß, Creme, Gelb und Rot sollten in der Kartonbox verfügbar sein.

 

Der Fotokarton wird entweder auf ein Gestell gelegt oder vom Arbeitstisch aus an eine sich anschließende Wand hochgelegt. Ganz wichtig ist dabei, dass eine sogenannte Hohlkehle oder weiche Kante entsteht und der Fotokarton nicht geknickt wird. Denn nur bei einer sehr weichen kante ist sichergestellt, dass der Übergang zwischen Horizontaler und Vertikaler bei der anschließenden Aufnahme nicht auf dem Bild sichtbar wird.

 

Dabei gilt der Grundsatz, je geringer die Schärfentiefe, desto eher verschwindet der Übergang. Allerdings ist beim Fotografieren von Schmuck und Edelsteinen gerade eine möglichst hohe Schärfentiefe gewünscht, um alle Details des Schmuckstücks oder des Steins auch wirklich zur Geltung zu bringen. Bei der als Table-Top bezeichneten Aufnahmetechnik mit einem fließenden Hintergrund muss hier ein Kompromiss erzielt werden. Der liegt meist bei einer Blendenöffnung von 5,6 oder 8. Die Arbeit mit Blende 11 lässt in aller Regel den Übergang an der weichen Kante zu deutlich hervortreten. Wird dagegen ein Blendenwert unterhalb von 5,6 verwendet, ist die Schärfentiefe für Schmuckfotografie unzureichend.

 

Für den richtigen Lichteffekt sorgt dann die kreative Anordnung von Leuchtplatte, Weißlicht und Kaltlichtquelle. Natürlich muss zuvor der Bildaussschnitt und auch der Aufnahmewinkel durchdacht worden sein. Hier ist etwas spielerischer Ehrgeiz gefragt. Häufig bringt erst das Durchprobieren von verschiedenen Aufnahmewinkeln und Lichtkombinationen den gewünschten Effekt. Als recht empfehlenswert hat sich die Serientechnik hier erwiesen. Zu jeder Kombination aus Aufnahmewinkel, Lichtanordnung und Bildausschnitt werden Bilder mit mindestens sechs, besser noch acht oder zwölf unterschiedlichen Schärfepunkten gemacht. Außerdem sollt auch noch eine Belichtungsserie mit verschiedenen Blendenwerten und jeweils länger werdender Belichtungsdauer gefertigt werden.

 

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