Mi

29

Okt

2014

Vor 45 Jahren fiel der Startschuss für das Internet

Der eigentliche Startschu&ss fiel am 29. Oktober 1969 in Palo Alto: Von einem Computerterminal der Stanford University wurde über ein neu eingerichtetes Computernetzwerk eine Nachricht an die University of California in Los Angeles geschickt - und landete dort nur wenige Minuten später im zentralen Rechenzentrum. Kritiker hatten dies bezweifelt. Denn die Electronic Mail sollte nicht einfach direkt von einer Universität zur anderen geschickt werden, sondern sie musste einen Umweg von mehreren tausend Kilometern nehmen, der sie über die University of Utah und die University of California at Santa Barbara nach  Los Angeles führte.



Auf den Umweg legte das amerikanische Verteidungungsministerium allergrössten Wert. Denn die vom Pentagon-Hauptabteilungsleiter Lawrence Roberts beauftragten Computerexperten Steve Crocker, Vint Cerf und Jon Postel mussten mit diesem Test beweisen, dass zentral organisierte militärische Kommandostrukturen erfolgreich durch dezentral organisierten Zugriff auf verteilte Rechner realisiert werden konnten. ,Das Internet ist quasi durch Initiative der Russen entstanden", schmunzelt Netzveteran Vint Cerf.


Tatsächlich sass die Angst vor einem nuklearen Schlag der Sowjetunion damals fast allen Amerikanern im Nacken. Die Kubakrise hatte bewiesen, dass der ,amerikanische Hinterhof" den Russen als Basis dienen konnte. Und nun befürchteten die ohnehin etwas neurotischen amerikanischen Stabschefs einen Angriff der Sowjetunion, der die gesamte militärische Kommunikationsinfrastruktur zerschlagen köennte.


Dagegen half nur Dezentralisierung. Würden etwa die Leitungen zwischen Palo Alto und Los Angeles gekappt, mussten die militärischen Mails eben über Utah und Santa Barbara umgeleitet werden. Die zu Rate gezogenen IBM-Ingenieure erklärten die Dezentralisierungspl&aene der ARPA genannten Forschungsagentur des Verteidungsministeriums (Advanced Research Projects Agency) schlicht als Humbug und empfahlen, stattdessen redundante Weitverkehrsleitungen zwischen den IBM-Mainframes der militärischen Befehlsstellen zu verlegen.


Bei aller Bereitschaft der US-Regierung, in eine schlagkräftige Landesverteidigung zu investieren, überforderte das mehrere hundert Milliarden Dollar teure Weitverkehrsprojekt sämtliche Etats. Erst zwei Jahre zuvor hatte das ehrgeizige Atombunkerprogramm erhebliche Mittel verschlungen und den Verteidigungsetat so ziemlich ausgeblutet.


In dieser Situation kamen die drei Computerexperten Cerf, Crocker und Postel, die sich selbst als Unix-Hacker bezeichnen, mit ihrer Idee gerade recht, Computer auf kurze Distanzen billig zu vernetzen und den Weitverkehrsverkehr durch in Routingtabellen festgelegte Wegbeschreibungen zu regeln. Das Experiment am 29. Oktober 69 klappte, das Pentagon konnte auf die Weitverkehrsleitungen verzichten und musste sich nicht einmal von seinen IBM-Mainframes trennen, denn die Netzwerksoftware konnte leicht auf ganz unterschiedlichen Computern installiert werden.


Die Stabschefs waren begeistert, statteten ARPA-Abteilungsleiter Roberts mit einem hübschen Forschungsetat aus, und er zwang, mit Dollar-Scheinen wedelnd, alle Universitäten und Forschungsinistitute, die für das Pentagon arbeiteten, sich an das Arpanet anzuschliessen. 1982 wurde das bis dahin ausschlie&sslich militärisch genutze Netzwerk mit anderen Regierungsnetzwerken zusammengschlossen und erhielt den Namen Internet.


Durch den Aufbau eines nationalen Forschungsnetzverbundes ab 1986 erhielt das Internet viel Zuspruch. Allerdings blieb es auf den wissenschaftlichen Bereich beschränkt. Dafür sorgte bis 1990 der Netzwerk-Rat der Internet Society, die das Internet weltweit kontrollierte. Nachdem die strikte Beschr&aenkung auf den wissenschaftlichen Bereich gefallen war, schossen Mitte 1990 die Internet Service Provider in den USA wie Pilze aus dem Boden.

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