So

29

Mai

2016

Die Krise des Journalismus ist eine Krise journalistischer Persönlichkeiten

Die Krise des Journalismus ist ja ein viel diskutiertes Sujet. Allerdings wird in den Krisengesprächen, Diskussionen über die Zukunft des Journalismus und den teils überschwänglich vorgetragenen Forderungen nach einer Neuerfindung des Journalismus eines gern vergessen: Die Krise des Journalismus ist zunächst einmal eine Krise journalistischer Persönlichkeiten.

 

Und die hat viele Aspekte.

 

 

Zunächst einmal müssen wir feststellen: Journalistische Persönlichkeiten sind rar geworden. Statt dessen ist eine weit reichende Haltungslosigkeit immer öfter anzutreffen.

 

Wer ohne Haltung vor sich hin sendet oder Seiten mit beliebigen Inhalten füllt, verfolgt natürlich keine journalistische Intention. Wer keine journalistische Intention verfolgt, kann seine Leser, Hörer oder Zuschauer weder begeistern noch herausfordern.

 

 

Wer keine journalistische Intention verfolgt, eckt allerdings auch nicht an. Kein Politiker oder Ministerialer, kein (beamteter) Mandatsträger oder Lobbyist, kein Unternehmer oder Interessenvertreter wird gegen inhaltsneutral agierende Journalisten vorgehen, wohl aber gegen Autoren, die ihre journalistischen Intentionen – vielleicht sogar mit Wucht – vortragen.

 

 

Das Unangenehme am kritischen Journalismus sei, dass er auch im Nachhinein viel Arbeit mache, argumentierte kürzlich die Führungskraft eines TV-Senders. Unterlassungsbegehren, Ermittlungen wegen Geheimnisverrats oder aufgrund politischen Drucks vorgetragene Rechtfertigungsanfragen beanspruchen natürlich Ressourcen.

 

 

Weder Medienhäuser, noch Verlage, noch Rundfunkanstalten wollen diese unangenehmen Konsequenzen ernsthafter journalistischer Arbeit in Kauf nehmen. In der Folge haben wir es immer öfter mit Journalistendarstellern zu tun, die entweder gnadenlos frisch vom Teleprompter ablesen können oder zumindest die zehn wichtigsten Buzzwords aus dem Medien-Bingo in jede Moderation und jede Diskussion einstreuen können.

 

 

Schreiben und Senden in jede Richtung ist dann für viele Kollegen kein Mangel an Haltung, sondern eben schlicht der Job. Sie legen sich selbst keine Rechenschaft über ihr Tun ab.

 

Deshalb brauchen wir wieder eine verstärkte berufsethische Reflexion und nicht nur Sonntagsreden darüber. Und wir brauchen wieder journalistische Bildung, die Ziele verfolgt und nicht nur Zwecke. Vor allen Dingern aber brauchen wir journalistische Persönlichkeiten, Typen, die anecken. Sonst werden wir diese Krise des Journalismus nicht überwinden.

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Nisha Letts (Donnerstag, 02 Februar 2017 22:22)


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