Sensationalismus in Sachen Datenleaks lenkt von den wirklichen Problemen ab

Die Kollegen des RBB hätten ihre Initial-Berichterstattung über die Twitter-Adventstürchen erst nach der Sperrung des Twitter-Accounts bringen dürfen. Das wäre mit Twitter zu verhandeln gewesen, notfalls über das BKA.

 

Einige Kollegen haben anschließend auch Bilder mit den Links zu den Daten weiterhin  veröffentlicht. Auch das war zumindest grob fahrlässig. Und die anschließende Sensationsberichterstattung ist ebenfalls völlig verantwortungslos.

 

Und die Kollegen sollten sich auch nicht darauf rausreden, dass DJV-Pressesprecher Hendrik Zörner in einer Pressemitteilung am Freitagnachmittag den Informantenschutz und die Whistleblower wegen dieser Datensammlung in Gefahr sah.

 

Das ist billiger Sensationalismus, völlig verantwortungslos. Ich bin entsetzt, wirklich entsetzt.

 

Keine Frage, wir müssen Facebook, Twitter & Co besser regulieren.

Wir fragen uns ja schon seit langem: Warum werden Facebook, Twitter nicht als Medienplattformen reguliert? Denn das sind sie ja. Und sie stehen in einer Verbreitungshaftung, Medienplattformen haben zudem eine besondere Sorgfaltspflicht im Umgang den darauf liegenden Daten.

 

Die Gesetze, mit denen wir da Facebook und Co stärker in Anspruch nehmen können, sind da. Sie werden nur nicht angewendet.

 

Die Diskussion um das Cyberabwehrzentrum plus läuft ja in die Richtung: Mehr Ausspähen der Nutzer, mehr Trojaner, mehr Online-Überwachung für alle. Dadurch wird das Netz nicht sicherer, sondern unsicherer.

 

Denn diese Überwachungssoftware arbeitet mit Sicherheitslücken. Die werden deshalb nicht geschlossen. Das Netz wird unsicherer, weil Nachrichtendienste aller Herren Länder nutzen, um uns mit Hilfe dieser Sicherheitslücken zu überwachen. Die Organisierte Kriminalität nutzt diese Sicherheitslücken, um zu stehlen und zu betrügen.

 

 

 

Aktionen wie der Ausstieg aus Twitter von Robert Habeck sind auch Versuche, von diesem Sensationalismus zu profitieren,

ähnlich wie die sensationalistisch hochgejazzte Pressemitteilung von DJV-Sprecher Hendrik Zörner.

 

Solche Aktionen bringen gar nichts, im Gegenteil die lenken doch von den Problemen ab. So ärgerlich diese Datensammlung ist, aber die Bedeutung für die IT-Sicherheit ist doch nun wirklich zweitrangig.

 

Wir haben unsichere Kommunikationsprotokolle, wie haben bei den kritischen Infrastrukturen einen Verhau an angestückelter Software. Und wir haben in großen teilen hilflose Polizisten. Gehen Sie mal auf eine Polizeiwache und erstatten Sie dort Anzeige, weil Ihre Facebook-Identität geklaut wurde. Die kucken Sie mit großen Augen an. Da muss digitale Kompetenz in die Fläche gebracht werden.

 

 

 

Ich habe mich zu diesem Thema auch von Antje Allroggen von DLF mediasres unterhalten

 

Die Aufzeichnung steht hier

 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0

Was kann ein Comiccast?